E-Mobility – Alltagstauglich oder nicht, das ist hier die Frage


E-Mobility – Alltagstauglich oder nicht, das ist hier die Frage

E-Mobility ist umweltfreundlich – aber ist sie auch alltagstauglich? Auf jeden Fall, meinen jedenfalls die Macher von der Belectric Drive GmbH (Kolitzheim). „Die öffentliche Diskussion führt noch immer die Speicherkapazitäten der Akkus als Manko auf“, sagt Geschäftsführer Sebastian Bachmann. „Dabei wird jedoch verdrängt, dass annähernd 80 % der Autofahrer Pendler sind und pro Tag kaum mehr als 80 km zur Arbeit und zurück fahren.“

 

Dies aber sei schon heute realisierbar, da eine Reichweite von über 100 Kilometern bei sich stetig verkürzenden Ladezeiten keine Seltenheit mehr ist. Zusätzlich habe sich in den letzten Jahren die Infrastruktur wesentlich verbessert. Immer mehr Unternehmen und Kommunen würden Ladestationen installieren um ihren Mitarbeitern und Bürgern Lademöglichkeiten vor Ort zu bieten.

 

Dieselbe Meinung vertritt auch Andreas Daberkow, Professor für Mechanik und Elektronik an der Hochschule Heilbronn und Leiter des Projekts „Elektromobilität im ländlich-urbanen Raum“. „Nach nunmehr 12.000 Erprobungskilometern aus kombinierter Stadt-, Überland- und Autobahnfahrt lässt sich feststellen, dass automobile Elektromobilität im ländlich-urbanen Raum gerade für die Zielgruppe Berufspendler gut möglich ist“, erklärt er. Bei dem Projekt habe sich auch gezeigt, dass ein flächendeckendes Netz von Ladestationen, etwa am Straßenrand, in definierten Abständen, für eine effektive E-Mobilität weniger wichtig ist als bisher gedacht. Vielmehr sei eine gesicherte Lademöglichkeit am Start- und Zielort von großer Bedeutung.

 

„Für diese duale Ladung benötige ich nur eine Ladestation zu Hause und eine beim Arbeitgeber“, sagt er und sieht dafür enormes Förderungspotenzial: „Schafft man einem Arbeitgeber gewisse finanzielle Anreize, um eine Ladestation auf seinem Firmengelände zu installieren, so würden die Arbeitnehmer im Gegenzug viel eher auf ein Elektromobil umsteigen – die Versorgung ist ja gesichert.“

 

Positive Signale zur Alltagstauglichkeit von E-Mobility kommen auch von BMW in München. In einem einjährigen Feldversuch haben knapp 100 Fahrer aus dem Großraum München mit 15 Mini E mehr als 150.000 Kilometer zurückgelegt. Die rein elektrisch angetriebenen Versuchsträger bewährten sich im Alltag und lieferten dem bayerischen Automobilhersteller zahlreiche Erkenntnisse zu den Kundenanforderungen an die Elektromobilität. Für die meisten Fahrer in der Stadt reicht demnach die Reichweite eines elektrischen Fahrzeugs von rund 150 Kilometern bis 180 Kilometern vollkommen aus. Beim Mini E soll die Reichweite zwischen 200 Kilometern und 250 Kilometern liegen.

 

Und dennoch: Die Nachfrage nach Elektro-Autos lässt noch stark zu wünschen übrig. Laut Bericht der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sind derzeit nur knapp 5.000 E-Autos in Deutschland unterwegs. Für sie stehen rund 2.000 öffentliche Ladestationen zur Verfügung, vor allem in Großstädten wie Berlin oder München. Vor allem ein zu hoher Stückpreis und mangelnde Reichweite werden immer wieder als Gründe für die mangelnde Begeisterung der deutschen Autofahrer genannt. Kritisiert werden aber auch die nach wie vor nicht flächendeckende Infrastruktur bei den Ladestationen sowie die Ladezeit. Wer laden will, muss Zeit einplanen und wer in der Stadt ohne Garage lebt, hat oft Schwierigkeiten überhaupt eine Steckdose für sein Auto zu finden.

 

Autor: http://www.contentworld.com/authors/profile/13005/